Der Schachspieler
Zur Kontrolle der Uhr ein Blick genügt.
Schnell noch ein Stein zurechtgerückt,
Als Begrüßung kurz ein Händedruck,
dann geht es Zug um Zug.
Denn zu Anfang, da wird schnell gespielt,
hatte man doch zuvor ins Buch geschielt.
Außerdem die Zeit, die drängt,
Wenn man nachher im Schlamassel hängt.
Der eine klein und schmächtig,
Der andere raucht bedächtig
Und bläst zum Gegner hin Zigarrenrauch.
Ja, das gibt es auch!
Doch ein schlechter Spieler wäre er,
Störte ihn das sehr
Und hat zum Trotze mit Bedacht
Schnell einen guten Zug gemacht.
Zigarre hin, Zigarre her,
Ein guter Zug der hülfe mehr
Und vor allen Dingen
Sollte dieser schnell gelingen.
Denn Kiebitze bedrängen ihn:
Einen (!) Zug nur müßt’ er ziehn
Und die Partie wär’ nicht verloren.
Sogar ein Vorteil würd’ geboren.
Alle harren angespannt der Lage.
Das Warten wird zur Plage.
Sowohl für Freund, wie Feind,
Egal wer nachher weint.
Endlich scheint sich was zu regen:
Der Raucher, der will einen Stein bewegen
Und hätt’ ihn fast geführt,
Doch Gott sei Dank noch nicht berührt.
Durch die Menge geht ein Murmeln leise
Und weiter geht’s in alter Weise.
Die Uhr, die tickt und schreitet weiter
Und alle sind sie nicht gescheiter.
Sein Gesicht blickt streng zum Brette.
Er ruft nach einer Zigarette.
Es zittern seine Hände.
Denn es droht ein grausam Ende.
Von Arbeit hart geplagt sein Hirn,
Schweiß bedecket seine Stirn.
Und als er’s wagt zur Uhr zu schauen,
Da packt Ihn kaltes Grauen.
Denn die Lösung ist noch weit.
Und zu alledem – keine Zeit!
Fräulein, bitte einen Tee,
Nein zwei Bier, wenn ich diese Lage seh’!
Alsbald, kaum den ersten Schluck genossen,
Faßt er Mut und sagt verdrossen:
Remis mein Freund, wir können heim,
Es warten Frau und Kind daheim?
Auf Gegners Veto legt er mit Bedacht
Den König um, der andere lacht.
Erneut ein Händedruck
Es ist für heut’ genug!
Rainer Schweizer, Januar 1979 (hw)
aus einer Zeit, in der selbst beim Turnierspiel noch geraucht werden durfte, was heute nicht mehr vorstellbar ist.