Schachbücher

Wie viele Schachbücher gibt es?

An den Anfang will ich eine persönliche Anekdote stellen: Vor vielen Jahren, als ich neu bei den Schachfreunden Naberns war, ging ich in den Buchladen “Das Buch” in Weilheim/Teck und sagte dort, ich suche ein gutes Buch über Schach. Die Verkäuferin ging mit mir zum Computer, gab das Stichwort “Schach” ein und heraus kam eine Liste von 176 Büchern. Sie lächelte mich freundlich an und fragte dann: “Welches hätten Sie denn gerne?”. Das hätte ich damals selbst gern gewusst. Im Lauf der Jahre lernte ich dann, dass die wenigsten Schachbücher für Anfänger geschrieben werden, für die weitaus meisten braucht man schon Vereinsniveau. In diesen Jahren ist meine Überzeugung gewachsen, dass ein Schachspieler, der das Niveau eines Vereinsspielers erreichen will, Fähigkeiten braucht, die mindestens das Niveau des Königsdiplomes voraussetzen.

Welche Schachbücher sind empfehlenswert?

Welche Schachbücher einem Anfänger empfohlen werden, hängt nicht zuletzt vom Lebensalter ab. Eine Betrachtung möchte ich jedoch ganz an den Anfang stellen: Viele Schachbücher erwecken den Eindruck, man braucht sie nur zu lesen, und dann kann ich schon gut spielen. Das ist meiner Meinung nach ein Irrtum. Schach ist ein Hochleistungssport wie viele andere auch. Und wie viele andere Hochleistungs-Sportarten auch, braucht es einige Jahre, bis ein Anfänger das Königsdiplom in der Hand hält, und mit Stolz bemerkt: Endlich beginne ich, mit Vereinsspielern mitzuhalten.

Kinder und Jugendliche, aber auch für junggebliebene Erwachsene:

Schach – Zug um Zug von Helmut Pfleger, Eugen Kurz und Gerd Treppner ist ein guter Einstieg. Das Buch behandelt die Grundlagen des Schachs. Im Verlauf dieses Buches können die drei Diplome des Deutschen Schachbundes erworben werden. Das

·         Bauerndiplom

  • behandelt die einfachen Grundlagen. Hier lernt der Anfänger das Brett und seine Felder kennen, die Figuren und wie sie ziehen. Der nächste Punkt ist, wie die Figuren zusammenarbeiten, wie sie einander decken und was man unter schlagen und abtauschen versteht. Sonderzüge wie Rochade, en passant schlagen und Umwandlung gehören auch dazu. Grundlagen der Schachnotation (wie man eine Zugfolge notiert und die Notizen zum Nachspielen benutzt) rundet die Ausbildung ab. Das ist der einfachste Teil, und oft hat ein jugendlicher Anfänger diesen Teil schon nach ein paar Monaten abgeschlossen. Dann kann er die Prüfung zum Bauerndiplom ablegen und hat damit ein erstes Erfolgserlebnis.
  • Jetzt spielt der Anfänger gern voller Stolz seine ersten Partien, und spätestens, wenn er mit einem geübten Gegner spielt, stellt er fest, dass er gegen diesen noch fast kein Spiel gewinnt – und das Schlimme ist, er kann sich nicht erklären, warum genau. Er kann das Brett, die Figuren, kurz alles auf dem Tisch sehen, und wenn er dann wieder eine Partie verloren hat, hat er oft das Gefühl, trotzdem blind gewesen zu sein. Wenn er hart im Nehmen ist und weiterlernt, kommt er zum Lehrstoff des

·         Turmdiplom

  • Hier beginnt der Weg, steinig zu werden, denn jetzt wird das Auge taktisch geschult. Taktik bedeutet, der Anfänger lernt, mehrere Züge vorauszuplanen und als Erstes lernt er einschätzen, wie sich das Material entwickelt: Wenn ich hier schlage, mein Gegner schlägt zurück, dann schlage ich hier, er dort – wie sieht dann die Materialbilanz aus? Habe ich einen Bauern mehr, oder mein Gegner? Oder sogar zwei Bauern, einen Springer, einen Läufer, oder sogar eine Dame mehr? Kann ich eine Gabel anwenden, einen Spieß, eine Abzugskombination? Und nach dem Schlagabtausch, kann mein Gegner dann noch einen gefährlichen Zug machen? Wenn ja, welche Auswirkungen hätte der? Wie kann ich mit meinem verbliebenen Material den König mattsetzen? Wer hat als Erster die Möglichkeit zum Angriff, und wo genau will der Gegner angreifen? Dieser Weg ist anfangs mit vielen Tücken behaftet, oft übersieht man doch einen möglichen Zug des Gegners, und dann sieht oft die Materialbilanz am Ende der Zugfolge ganz anders aus, als man sich das anfangs vorgestellt hat. Hier macht Übung den Meister, entweder durch das Lösen von Taktikaufgaben oder durch Spielerfahrung. Beides gemeinsam bringt den schnellsten Erfolg, denn “schwierigere” Stellungen sollten speziell trainiert werden, damit es in Turnierspielen unter Zeitdruck keine unnötigen Reinfälle gibt. Jetzt ist der Jugendliche schon stärker, und mit wachsendem Selbstvertrauen wird er feststellen, dass er ungeübte Spieler schon oft schlägt. Aber den Vereinsspieler bezwingt er noch nicht, denn ihm fehlt noch das Wissen des Feldherrn, so nenne ich das einmal, und das lernt man erst, wenn man für das

·         Königsdiplom

  • trainiert. Hier macht der junge Spieler den Schritt in die unsichtbare Welt. Jetzt wird die Vorstellungskraft geschult, der schwierigste Teil des Schachspieles. Der Schüler lernt, das einzuschätzen, was er anfangs nicht sehen konnte. Wer beherrscht mit seinen Figuren die überwiegende Anzahl der Felder des Brettes? Wer ist überlegen im Zentrum des Brettes? Wer hat mehr Raum und die beweglicheren Figuren, Weiß oder Schwarz? Um welche Felder wird in der jeweiligen Stellung gekämpft? Was sind starke und schwache Felder und woran erkennt man sie? Welche Rollen spielen offene Linien und Diagonalen? Und aus welchen Gründen sind die theoretischen Züge der Eröffnungen ideal in den betreffenden Stellungen? Was sind die grundlegenden Eröffnungen? Was ist die generelle Spielstrategie bei überlegenem, gleichem und unterlegenem Material? Vieles davon lernt der fleißige Schüler frühestens beim Königsdiplom – und es gibt noch mehr Wissenswertes. Nachdem er diese Prüfung bestanden hat, dieses strategische Wissen in seine Züge eingebaut hat, hat er nach ca. 1 Jahr Übung einen ersten Zenit seiner Spielstärke erreicht. Jetzt endlich merkt er, dass er auch imstande ist, den einen oder anderen Vereinsspieler zu schlagen. Dieser Teil des Weges ist nicht einfach. Ausdauer und der Wille, es zu schaffen, werden hier auf eine harte Probe gestellt. Der Trost bei dieser Sache ist, hat man diese Art der Vorstellungskraft erst einmal erworben, so bleibt sie für immer erhalten.

Jetzt versteht der neue Vereinsspieler auch, warum Schach das Spiel der Könige ist. Schach ist, wie ein Spruch sagt (hoffentlich verlangt jetzt keiner eine Quellenangabe) die Fortsetzung des Krieges mit friedlichen Mitteln. Und leider – anfangs erwähnte ich das schon – vom Gefreiten (Bauerndiplom) über den Leutnant (Turmdiplom) bis zum Oberst (Königsdiplom) dauert es einige Jahre. Die Fähigkeiten müssen Zeit haben, um zu wachsen. Nicht vergessen zu erwähnen will ich hier, dass es über dem Oberst noch einige militärische Rangstufen gibt. Hier setze ich den Oberst dem geübten Vereinsspieler gleich, wer in Deizisau beim Int. Neckar-Open schon mal hineingeschnuppert hat, dem ist bestimmt schon aufgefallen, dass beim A-Open hunderte von Spielern mitspielen. So weit – bis in das A-Open –  kann also jeder gelangen, mit ein wenig Talent und sehr viel Ausdauer, Übung und dem Willen, dazuzulernen. Aber gleich wie in der Armee ist es nur noch wenigen gegeben, bis zum General (Internationaler Meister, FIDE-Meister, Großmeister) aufzusteigen. Aber das ist auch nicht der Sinn des Schachs. Wie Tarrasch schon seinerzeit sagte, das Ziel ist, mit Spaß Schach zu spielen. Dann hat man ein Hobby, das so alt, so vielseitig, so verbreitet und so aufregend ist, wie kaum ein anderes. Im Deutschen Schachbund gibt es ca. 80.000 registrierte Vereinsspieler, bezieht man die Hobbyspieler mit ein, dürften es weit mehr als 100.000 Spieler sein. Es gibt tausende Vereine in ganz Deutschland, und selbst wenn man aus beruflichen Gründen umziehen muss, findet sich in der Nähe des neuen Wohnorts mit Sicherheit ein Verein, dem neue aktive Spieler stets willkommen sind.

P.S.: Drei Lehrgänge – gibt es da keine Abkürzung?

Immer wieder habe ich es erlebt, dass Jugendlichen die Lust am Lernen unterwegs ausgeht, sie möchten vor allem spielen, finden es aber doof, wenn sie laufend zum Lernen ermuntert werden.

Die Frage nach einer Abkürzung stellt sich – gibt es die? Meiner Erfahrung nach nicht. Ich selbst hatte keine Möglichkeit, in näherer Umgebung Lehrgänge zu besuchen, so war ich mehrfach in Stuttgart oder Plochingen bei Lehrgängen. Tatsache ist unbestritten, dass für einen Turnierspieler theoretisches Wissen zwingend erforderlich ist. Um dieses zu erlangen, gibt es nach meiner Erfahrung zwei Wege:

  • Entweder durch Lernen in Lehrgängen oder Kursen, das ist oft anstrengend. Hat man es aber geschafft, stellt man fest, dass es insgesamt der schnellere Weg zum Erfolg ist. Hier braucht man eine gewisse Härte gegen sich selbst – und Durchhaltewillen.
  • Oder durch Erfahrung bei Turnier- und Trainingsspielen. Dann wird man feststellen, dass das fehlende theoretische Wissen bei Spielen für “Reinfälle” sorgt – und damit für verlorene Partien. Das Wissen muss dann durch Partieanalysen mühsam erworben werden. Dieser Weg ist zwar weniger schwierig als Kurse und Seminare – aber er führt längere Zeit immer bergauf, und man braucht einen langen Atem, bis der Gipfel des Berges erreicht ist und die Siege in Turnierspielen beginnen, häufiger zu werden.

Vielleicht stört sich der eine oder andere Schachspieler jetzt daran, dass ich Schachbücher nicht in diese Liste aufgenommen habe. Der Grund dafür ist sehr einfach: Ich bin selbst Besitzer von ca. 40 Schachbüchern und weiß deshalb aus eigener Erfahrung sehr genau, wie schwer es für den Anfänger ist, unter der Vielfalt angebotener Bücher das eine Buch herauszufinden, das für seinen weiteren Fortschritt dem momentanen Niveau seines Wissens angemessen ist. Ohne Beratung durch einen erfahrenen Trainer steht der Anfänger hier fast ohne Chance auf einen Treffer allein einem riesigen Angebot von Literatur gegenüber.

Deshalb – für welchen dieser beiden Wege sich der Anfänger auch entscheidet, das Wissen muss auf die eine – oder die andere Weise erworben werden, bevor der Erfolg sich einstellt. Wer sich dagegen in Buchhandlungen nach Büchern wie z. B. “Wie werde ich schnell Großmeister” erkundigt, wird in die Science-Fiction-Abteilung der Buchhandlung verwiesen. Es gehört nicht viel dazu, erste Schachpartien zu spielen. Dazu sollte man nur die Spielregeln gut kennen, das ist der Wissensstand des Bauerndiplomes. Wesentlich problematischer wird es, wenn man einen erfahrenen Spieler besiegen will. Ein Anfänger, der das versucht, bekommt schnell das Gefühl, es ist es einfacher, ein fliehendes Wiesel in der Wohnung mit bloßen Händen wieder einzufangen. (hw)

Interessante Schachlinks

  • Chess Tempo – Schach spielen, Aufgaben lösen und mehr …
  • GM Jan Gustafsson – interessante Partien analysieren
  • Schacharena.de – der größte deutsche Browser orientierte Anbieter zum Schachspielen, mit entsprechend breit gefächertem Angebot
  • Ralfs Schach – nicht ganz so professionell wie die Schacharena, aber mit Potential Den nicht so geübten Schachspieler nervt auf dieser Seite, dass Partien entweder im Blitzmodus ausgetragen werden müssen (max. 15 Minuten Bedenkzeit), oder es sind Email-Partien möglich, die dann entsprechend lange dauern (üblich sind 3 bis 7 Tage je Zug).

2 Gedanken zu „Schachbücher

  1. Sehr geehrter Schreiber des Beitrags zu „Schachbücher“!

    Sie sprechen mir 100%ig aus der Seele, es gibt Tausende von Schachbüchern, darunter viele sog. „Anfänger-Schachlehrbücher“, aber den eigentlichen Anfang des selber die ersten Partien spielen wollens und könnens, übergehen sie charmant! Die meisten dieser Bücher wenden sich gleich an die Spieler mit dem entsprechenden „Schachtalent“ und setzen in ihren Lehrgängen schon das Schachdenkvermögen des
    „Königsdiploms“ voraus! Es gibt keinerlei „Lehrwerke“, die die allerersten Schritte des
    selber sattelfest-zugsicher werdens vermitteln, um eben das unsägliche „Einstellen“ von Steinen sowie das „Hängenlassen“ eigener Steine so weit wie nur möglich zu vermeiden. Warum? Weil viele Autoren meinen, diese „Anfänger-Übungs- bzw. Beratungspartien“ wären schon in den ersten 1-2 Jahren im privaten „Familienkreis“
    vermittelt worden. Aber, was machen dann diejenigen, denen dazu der „private
    Berater, Trainer bzw. Tutor“ völlig fehlt? Es besteht ein deutlicher Unterschied darin
    den „Lösungs- bzw. Schlüsselzug“ in einer einzelnen Schachproblemstellung aufzufinden gegenüber dem „selber die ersten, eigenen kompletten Schachpartien“
    zu spielen, oder sehen Sie dies anders? Somit bin ich selber auf dem theoretischen
    Stand/Niveau des „Turmdiploms“ stehengeblieben, das „Königsdiplom“ setzt noch
    zu viel an bei mir fehlender „Vorstellungskraft“ im „Voraussehen“ eines aus der Stellung noch folgenden, plausiblen Partienablaufs voraus!

    MfG
    G. Härtel

  2. Sehr geehrter Herr Dr. Härtel,
    haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar.
    Unser Schreiber des Artikels ist leider schon verstorben. Soeben haben wir Ihren Kommentar eingepflegt, da wir diesen Beitrag schätzen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Christoph Kandler, Pressewart

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