Schachlatein

Beim Schach muss auf viele Dinge acht gegeben werden.

In der Eröffnung sollten die Figuren entwickelt werden, ohne Tempi zu verlieren. Ratsam ist immer, das Zentrum mit Bauern zu besetzen und durch Offiziere zu unterstützen. Eine starke Position im Zentrum bringt Vorteile bei der Einleitung eines Angriffs auf dem Königs- oder Damenflügel. Allerdings werden regelmäßig die Springer unangenehm von den gegnerischen Läufern gefesselt und ein möglicher Tausch kann zu einem viel gescholtenen Doppelbauern führen, den der vorsichtige Schachspieler doch lieber vermeiden möchte. Also deckt er einstweilen den Springer durch eine Figur und hofft, den Läufer mit dem Randbauer verjagen zu können. Doch dabei plagen den Spieler Zweifel: Ist dies die Schwächung der Bauernstruktur vor dem inzwischen rochierten König wert? Zumal der Läufer vermutlich einfach ein Feld zurückweichen würde und so die Fesselung immer noch bestünde. Jetzt wäre fundierte Theoriekenntnisse wahrlich hilfreich, um die lästige Situation am Königsflügel elegant abfedern zu können. Aber so muss eben selbst überlegt werden, wie das Manöver funktioniert. Der Spieler entscheidet sich schließlich dafür, einstweilen keine Dynamik ins Spiel zu bringen und findet auch bald eine „sichere“ Variante. Das Spiel droht daher auch zu „remiseln“. Beide Seiten gruppieren ihre Figuren um, verdoppeln irgendwo ihre Türme und warten auf eine günstige Möglichkeit, mit dem Angriff beginnen zu können. Wenn es schon keinen Isolani gibt, der sicherlich ein lohnendes Ziel abgegeben hätte und wenn der gegnerische rückständige Bauer schon überdeckt ist, dann ist die naheliegendste Strategie auf jeden Fall der direkte Königsangriff. So rückt zunächst ein Bauer frech vor bevor er einen anderen en passant schlägt. Und urplötzlich ist die gefährliche Läuferdiagonale frei geworden. Es folgt ein überraschender Damenausfall und schließlich wird gar ein Offizier geopfert. Der Lohn ist Initiative – aber zum Matt führt das Opfer nicht, der Angreifende muss sich mit Familienschach, Qualitätsgewinn und einer weiterhin guten Stellung begnügen. Ob das reicht? Der Gegner gibt eine Figur zurück und bekommt dadurch wieder etwas Luft. Jetzt wäre es langsam Zeit, sich über das Endspiel Gedanken zu machen. Mit einem geschickten Abtausch könnte vielleicht das nötige winzige positionelle Übergewicht erreicht werden, das gerade noch zum Sieg führt, doch sieht dies auch der Gegner. Am besten man lässt sich kein Endspiel mit ungleichen Läufern aufzwängen, ideal wäre es gar, das Läuferpaar ganz zu behalten. Aber Moment: Eigentlich müsste das Spiel doch auch unkompliziert heimzufahren sein, zumal sich der Gegner kaum rühren kann, seine Figuren schlecht stehen und alle unkoordiniert auf sich alleine gestellt sind. Zwar hält der gegnerische Turm die berüchtigte siebte Reihe besetzt, nur scheint das in dieser Situation nicht sehr tragisch zu sein, denn der Spieler erkennt die gestellte Falle. Der Turm ist vergiftet und darf deshalb nicht genommen werden. Aber wie will der Gegner eigentlich den Freibauern halten? Es wird kurz überlegt, ob eine Patt-Kombination alles kaputt machen könnte, aber dafür sind noch genügend freie Figuren auf dem Brett. Also kann der Bauer siegesbewusst vorgezogen werden.

Allerdings hat der Spieler im Siegesrausch eines übersehen und der Gegner sieht diese letzte Fluchtmöglichkeit: Er kümmert sich nicht um den Bauern, opfert den Turm und kann mit der Dame Dauerschach geben: Remis

Jan Jäger (hw)

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