Weizenkorn-Legende

So oft man vom Entstehen des Schachspiels spricht, wird die berühmte Erzählung vom Schachbrett und den Getreidekörnern angeführt:

Im Jahre 467 v. Chr. herrschte in Indien der König Shehram. Er hatte keine besonderen Organisations- und Regierungstalente und sein Land geriet binnen kurzer Zeit in Not und Elend. Um die Aufmerksamkeit des Königs auf seine Fehler zu lenken, ohne seinen Zorn zu entflammen, schuf einer von den Brahmanen, der weise Sessa, ein Spiel, in dem die wichtigste Figur -der König- ohne Hilfe anderer Figuren und Bauern nichts ausrichten kann. Der Unterricht im Schachspiel, denn um eben dieses handelte es sich, soll auf Shehram einen starken Eindruck gemacht haben. Die Analogie war unzweideutig. Um sich für diese anschauliche Lehre von Lebensweisheit und zugleich Unterhaltung dankbar zu erweisen, versprach Shehram dem Weisen jede Belohnung, welche dieser verlangen würde. Dem weisen Sessa bot sich eine gute Gelegenheit, dem hochmütigen König noch einmal eine Lehre zu erteilen, diesmal eine Lehre der Bescheidenheit.

Er wünschte also eine geringe Belohnung und bat, man solle ihm aus dem Magazin folgende Menge Weizen herausgeben: Auf das erste Feld des Schachbretts sollte ein Korn gelegt werden, auf das zweite zwei Körner, auf das dritte die doppelte Menge, also vier Körner und so weiter, auf allen 64 Feldern des Schachbretts, wobei jedesmal die Portion verdoppelt werden sollte.

Der Herrscher willigte ein und freute sich, dass er mit solch niedrigem Preis sein Versprechen einlösen konnte. Als die Getreidelieferung aus dem Speicher begonnen hatte, stellte sich heraus, dass der Wunsch des Weisen nicht erfüllt werden konnte.

Wie später berechnet wurde, kommen allein auf das 64. Feld 87 076 425 546 692 656 Körner. Die gesamte Menge beträgt 18 446 744 073 709 551 615 Körner, d. h. 18 Trillionen, 446 Billarden, 744 Billionen, 73 Milliarden, 709 Millionen, 551 Tausend und 615 Körner.

Umgerechnet ergibt das eine Menge von über 922 Milliarden Kubikmeter Weizen, wobei ein Kubikzentimeter ca. 20 Körner enthält. Es wurde berechnet, dass zum Einbringen dieser Menge von Getreide die ganze Erdoberfläche achtmal besät und ebensoviel Male das Getreide geerntet werden müsste.

Kurt Jäger

nach Vorlage von J. Gizycki (hw)

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